Schritt für Schritt: „Wie komme ich ins Darknet?“

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(Foto: [© Ingo Bits and Splits], stock.adobe.com)

Allein der Begriff ruft Assoziationen mit Geheimem, Unbekanntem, Illegalem hervor: „Darknet“, ein dunkles Netz, in dem Kriminelle verborgen ihr Unwesen treiben. Wie bei so vielen Gerüchten, handelt es sich allerdings auch hier genau darum: ein Gerücht. Vielmehr steht das Darknet jedem zur Verfügung, der seine Suchanfragen einfach nur anonym behandelt wissen möchte.

Anonymität statt Zensur

Nicht nur, dass der Anteil kriminellen Treibens nur einen geringen Bruchteil der gesamten weltweiten Darknet-Nutzung repräsentiert, so liegt der Ursprung des manuellen Peer-to-Peer-Netzwerkes hauptsächlich im Schutz politisch Verfolgter, Journalisten und privater Internet-User in totalitären Systemen. Den Betroffenen soll bei gleichzeitiger Anonymität der Zugang zu offiziell durch das Regime gesperrten Informationen ermöglicht werden.

Deep, dark – dubios?

Grundsätzlich wird das Internet in drei Kategorien aufgeteilt:

  • Das sichtbare Clear Web
  • Das nicht von offiziellen Suchmaschinen erfasste Deep Web
  • Das komplett verschlüsselte Darknet

Was meistgenutzte Suchmaschinen wie Google und Co. auf Anfragen auswerfen, ist für jeden gleichermaßen offensichtlich: Das Clear Web.

Die besagten Suchmaschinen beziehen ihre Daten aus dem Backend – oder eben: dem Deep Web. In dem umfassenden Datenbanken-Bereich direkt unter der Nutzeroberfläche liegen sämtliche Informationen verborgen, auf die jeder User bei Bedarf direkt Zugriff nehmen kann. Damit begibt er sich sozusagen in den Lagerraum des Geschäfts und begnügt sich nicht mit der Auslage in den Regalen. Allerdings sind diese Informationen absichtlich nicht in den Algorithmus gängiger Suchmaschinen integriert und daher zumeist nur unter hohem Aufwand auffindbar und mit Zugangsbeschränkungen versehen.

Und das Darknet? Ist der Teil des Deep Webs, bei denen die gewünschten Seiten nicht nur direkt über die spezielle Adresse aufgerufen, sondern bereits zu diesem Zeitpunkt verschlüsselt werden. Dies erschwert den Rückgriff auf den Server und bietet daher unter anderem auch illegalen Geschäften eine hervorragende Basis.

Das Tor zur informativen Datenbanken

Wie bei allen Dunkelziffern, gibt es auch hier nur Schätzungen. Danach soll das Deep Web der 500-fachen Größe des Clear Webs entsprechen: Grund genug, sich um Zugang zu den umfangreichen Informationsquellen zu bemühen. Wer dabei zudem Wert auf eine bestmögliche Verschlüsselung seiner Daten legt, kommt mit den folgenden Schritten ohne weiteren Aufwand ins Darknet:

  • Installation eines Tor-Klienten auf dem gewünschten Endgerät. Auch als „Onion Router“ bekannt, bildet das Tor-Netzwerk mit seinen weltweit miteinander verbundenen Servern die Grundlage aller Vorgänge im Darknet.
  • Der Download des benötigten Tor-Browser-Bundles gestaltet sich wie die Installation jeder anderen Software. Der modifizierte Firefox-Browser mit seinem eingebauten Onion-Proxy ist für Windows, Linux, macOS sowie die Mac-Versionen 32- und 64-Bit verfügbar. 
  • Der Onion-Proxy verbindet sich jetzt unter Inanspruchnahme zufälliger Verschlüsselungen über drei unterschiedliche Server automatisch mit dem Tor-Netzwerk. Durch die länderübergreifend ausgewählten Standorte laufen sämtliche Verbindungen von nun an anonymisiert und lassen sich nur noch schwer rückverfolgen: Im Clear Web gesperrte Webseiten sind frei zugänglich.
  • Der letzte Schritt ins ganz Dunkle: das Aufrufen spezifischer Darknet-Adressen. Da deren kryptische URLs nicht ständig abrufbar sind, müssen sie durch eine „onion“-Adresse wie das Hidden-Wiki (http://jh32yv5zgayyyts3.onion/) oder Tor-Links (http://torlinkbgs6aabns.onion/) vor jedem Zugriff erneut recherchiert werden.

 

Hinweise:

  • https://check.torproject.org ist ein hilfreiches Tool zur Überprüfung der gelungenen Installation
  • Durch die Weiterleitung über die verschiedenen Server verlangsamt sich die Geschwindigkeit des Internets

 

Auch von unterwegs im Dunkeln fischen

Das Tor-Browser-Bundle lässt sich auch auf mobilen Endgeräten installieren – ideal, um im Ausland gesperrte Seiten des Heimatlandes aufzurufen.

Warte, bis es dunkel ist…

Das Darknet ist also in erster Linie ein bedeutendes Medium für Andersdenkende und all diejenigen, die über die offiziellen Suchmaschinenangaben hinaus ihren Informationsbedarf stillen möchten. Durch die höchstmögliche Anonymität bietet es darüber hinaus illegalem Tun einen optimalen Nährboden. Daher heißt es auch im Dunkeln Augen auf, um nicht aus Versehen auf einer unerlaubten Seite zu landen.

Passend zum Thema: Anfänger-Guide für Hacking

(Foto: [© Ingo Bits and Splits], stock.adobe.com)

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