Industrie der Zukunft: arbeiten wie bei Amazon

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(Foto: [© Alexander Limbach], stock.adobe.com)

Kaum ein Unternehmen dürfte weltweit so viel Bekanntheit und Aufmerksamkeit genießen wie der US-amerikanische Börsenkonzern Amazon. Ein Erfolgsgeheimnis des Internetriesen: sein Einsatz zukunftsorientierter Technik, dass immer engere Zusammenspiel von Mensch und Maschine in Lagerhallen rund um den Globus, die Vernetzung von Robotik, künstlicher Intelligenz und Human Ressources.

Sorge oder Aufbruchstimmung?

Was früher die Industrialisierung übernahm, übernehmen jetzt Computer und Industrie 4.0: Sie sorgen für Ängste unter vielen Arbeitnehmern, denn intelligente Maschinen bedrohen viele Jobs. Doch müssen durch intelligente Software gesteuerte Abläufe in Fertigungsbranchen wirklich beunruhigen? Werden diese Bedenken vielleicht nur durch Medienberichte hervorgerufen?

Nach aktuellen Studien stehen immerhin 50 Prozent der Befragten einer zukunftsgerichteten Informations- und Kommunikationstechnologie sowie Robotern als Arbeitskollegen aufgeschlossen gegenüber. Zwei Drittel würden es sogar begrüßen, durch den Einsatz künstlicher Intelligenz von Routineaufgaben befreit zu werden und sich auf Kernaufgaben konzentrieren zu können.

Genau diese Effizienz wird durch eine Zusammenarbeit von Mensch und Maschine erreicht, nur so können die steigenden Kundenanforderungen an eine schnelle Übersendung personalisierter Produkte zu dennoch geringen Kosten erfüllt werden. Denn es sind die Verbraucher, die einerseits die neuen technischen Möglichkeiten fürchten und gleichzeitig von ihr profitieren möchten. Es ist also von doppelter Bedeutung, den hohen Nutzen von Robotik und Co. aufzuzeigen und so für ihre Akzeptanz auch bei den 50 Prozent zu sorgen, die ihr noch kritisch gegenüberstehen.

Auf Kernkompetenzen konzentrieren

Weltweit werden derzeit knapp 90 Roboter pro 10.000 Mitarbeitern in der Fertigungsindustrie eingesetzt – keine alarmierende Zahl hinsichtlich möglicher Arbeitsplatzverluste. Welches Potenzial in Robotern mit künstlicher Intelligenz steckt, wie sehr sich die Produktivität eines Unternehmens durch eine Konzentration auf die jeweiligen Fähigkeiten von Mensch und Maschine steigern lässt, zeigen die Betriebe, die bereits die Zukunft leben. Und genau diese Zukunft hat auch schon in Deutschland Einzug gehalten.

Wer täglich für acht Stunden auf einer knapp 70.000 Quadratmeter messenden Lagerhalle zu Fuß Waren zusammensucht, kann über eine Halbmarathon-Distanz nur lachen: Er legt am Tag bis zu 30 Kilometer zurück – wie noch immer ein Teil der Mitarbeiter im brandenburgischen Logistikzentrum von Amazon. Doch es werden immer weniger, ihre Aufgaben werden vermehrt von mit Sensoren ausgestatteten Robotern ausgeführt. Diese entnehmen den vollen Regalen die geforderten Produkte, scannen sie ein und bringen sie ins Verpackungslager – in dem wieder der Mensch ins Spiel kommt. Denn so ist die Aufteilung: Jeder macht das, was er am besten kann. 

Was können Roboter …

… zur Warenproduktion und -lagerung beitragen? Gefüttert mit unzähligen Algorithmen, sind Roboter erstklassige Lagerverwalter: 

Dank ihrer smarten Bilderkennung können sie den jeweils aktuellen Füllstand der Regale exakt berechnen und so mehr Waren verstauen, als es jedwede menschliche Ordnung auf derselben Fläche vermag.

Sie schlagen Mitarbeitern geeignete Verpackungsgrößen und -materialien vor und schneiden Kartons bei Bedarf auf spezielle Formen zu.

Kundenwunsch Flexibilität 

Auch andere deutsche Produktionsstätten setzen auf den Einsatz von Robotern. In Schöneich reagieren Computersysteme automatisch auf eingehende Aufträge und leiten die erforderlichen Schritte für eine schnellstmögliche Warenherstellung und ihren zügigen Versand ein. Während die Roboter-Greifarme am Fließband Produkte bearbeiten, überwachen menschliche Mitarbeiter die korrekte Ausführung an Bildschirmen und senden den Maschinen permanent weitere Instruktionen. So lässt das Unternehmen in kürzester Zeit an Standorten rund um den Globus maßgeschneiderte Einzelteile produzieren. 

Was können Menschen …

… besser als Maschinen? Unter anderem filigrane Kleinstarbeit leisten: eine Fähigkeit, die sich durch keinen Roboter, keine Automatisierung ersetzen lässt. Daneben punkten menschliche Arbeitskräfte mit ihrer Flexibilität – und hinsichtlich Kreativität und emotionaler Stärken sind sie ihren künstlichen Kollegen ebenfalls weit voraus. 

Teamarbeit zwischen Mensch und Maschine

So also sieht die Zukunft aus – denn aufhalten lassen wird sie sich nicht. Doch weshalb auch? Durch das sogenannte „Collaborative Robotics“ wird die Kooperation von Mensch und Maschine mit zunehmender Zeit noch reibungsloser verlaufen – und damit sogar Arbeitsplätze schaffen: Dank der hohen Zeit- und Kostenersparnis in den Produktionsstätten lassen sich diese nach und nach aus dem Ausland wieder an bundesweite Standorte verlegen.

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